WSSP: Erhitzte Gemüter vor der WM-Entscheidung

Spannend geht es momentan in der Supersport-WM zu. Nach dem letzten Rennen in Argentinien liegen die WM-Führenden Randy Krummenacher und Federico Caricasulo nur acht Zähler auseinander. Darüber hinaus sind die Gemüter im Bardahl Evan Bros. Yamaha-Team sehr erhitzt. Das allerdings hat weniger mit dem Meisterschaftsstand zu tun oder mit der Tatsache, dass sich mit Jules Cluzel nun noch ein Dritter in den WM-Kampf eingeschaltet hat.

In Katar muss Randy Krummenacher acht Punkte mehr holen als Teamkollege Caricasulo – Bei Punktegleichstand reichen dem Schweizer seine vier Rennsiege zum Titelgewinn (Caricasulo hat nur drei auf dem Konto). Bemerkenswert: Bei den letzten beiden Rennen hat keiner der beiden auf das Podest fahren können! Platz 5 für Caricasulo und Platz 7 für Krummenacher sind die Ausbeute der Rennwochenenden von San Juan und Magny-Cours.

„Motor von Federico lief ganz klar schneller“

Zuletzt in Argentinien gab es einen Clash, den beide jedoch als normalen Rennzwischenfall abtaten. Für Brisanz sorgten hingegen die Aussagen, die Randy Krummenacher im TV-Interview nach dem Rennen traf. Dort ging der Schweizer mit seiner Maschine hart ins Gericht: „Sehr enttäuschend für mich war, dass der Motor überhaupt nicht lief. Ich konnte keinen einzigen Windschatten nutzen und habe sogar verloren.“

Dabei blieb es aber nicht. Krummenacher machte auch einen Topspeed-Unterschied aus, der zumindest in der Statistik – in der Windschattenschlachten nur bedingt nachzuvollziehen sind – erkennbar sind: „Es ist enttäuschend zu sehen, dass der Motor von Federico ganz klar schneller lief. Ich hoffe, dass wir das in Katar besser hinkriegen und wieder schneller sind.“ Der höchste Topspeed von Caricasulo lag im Rennen von San Juan bei 269,3 km/h, während Krummenachers Yamaha R6 mit 264,7 langsamer unterwegs war. Der Speed kann auch in Katar, wo die Zielgerade rund einen Kilometer lang ist, ein Thema sein. „Ich mag die Strecke in Katar sehr, aber ich brauche eben auch dort einen guten Motor.“, bestätigt Krummenacher.

Cluzel als lachender Dritter?

Ein Pilot, der zwar ebenfalls mit geringem Topspeed, aber dafür mit einem umso besseren Ergebnis in der Tasche aus Argentinien wiederkam, ist Jules Cluzel. Der Franzose siegte und stand damit das erste Mal seit Donington Park wieder auf dem Podest. Der Sieg brachte ihn auch in der WM wieder mit ins Spiel. 23 Punkte, die er mehr holen muss als Krummenacher, bedeutet allerdings auch, dass Cluzel einiges an Glück braucht, um den Titel letztlich zu holen. So sieht das auch Spitzenreiter Krummenacher: „Er müsste nochmal so ein Rennen fahren und wir müssten nochmal so schlecht sein und trotzdem würde es für uns reichen. Für ihn braucht es also einiges, damit er gewinnen kann.“

Cluzel selbst bedankte sich nach Argentinien bei seinem Teamkollegen Corentin Perolari, der die beiden Bardahl-Fahrer in Schach hielt. Perolari war sowohl in Magny-Cours als auch in San Juan schnell unterwegs und könnte unter Umständen ein Zünglein an der Waage sein. Über seine Chancen verliert Cluzel derweil wenig Worte: „Ich bin hier um mein Bestes zu geben“, erklärte der 31-Jährige. Gleichzeitig betonte er aber, dass man in Argentinien einen großen Schritt am Motorrad gemacht und er viel Spaß beim fahren gehabt hätte.

Wenn man sich die Statistik anschaut, dann sieht es für Krummenacher von den drei Fahrern am schlechtesten mit der Performance in Katar aus. Während Caricasulo und Cluzel beide bereits auf dem Podium standen, war Krummis bestes Ergebnis auf dem Losail Circuit der fünfte Platz (2016 und 2018).

 

Text: Dominik Lack

Foto: Dominik Lack

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