Kolumne: Wie geht es in der Corona-Krise mit dem Rennsport weiter?

Nachdem bereits die zweite Superbike-Saisonstation in Katar gecancled worden ist und auch Jerez verschoben wurde, stellt sich mittlerweile die Frage, ob und wann es denn überhaupt weitergehen wird mit dem Motorrradrennsport. Die Fans scheinen sich angesichts der Situation in Geduld üben zu müssen. Die Situation ist schwierig.

„Wir lassen uns unseren Sport nicht kaputt machen“, lautet nur einer der undifferenzierten Facebook-Kommentare, der in Bezug auf das Corona-Virus und die Rennabsage der MotoGP in Katar zu lesen war. Dabei geht es um viel mehr als nur um die Absage eines Motorradrennens. Solange es kein medizinisches Mittel gegen das Corona-Virus gibt, darf es sich nicht unkontrolliert schnell ausbreiten, da dies die Kapazitäten der Gesundheitssysteme weltweit sprengen würde. Das ist der Grund dafür, dass die Rennen im März und vermutlich auch im April abgesagt, beziehungsweise verschoben werden. Gleiches gilt für andere Sportevents wie Fußball:

„Zuerst einmal muss jeder von uns sein möglichstes tun, um uns gegenseitig zu schützen in der Gesellschaft. Das sollte im Leben immer der Fall sein, aber im Moment gilt das, denke ich, mehr denn je. Wie ich schon mal gesagt habe, ist Fußball die wohl wichtigste der unwichtigsten Dinge. Heute sind Fußball und Fußballspiele wirklich überhaupt nicht wichtig.“, äußerte sich beispielsweise Liverpool-Trainer Jürgen Klopp in einem Statement.  Superbike-Weltmeister Jonathan Rea kommentierte die Zeilen Klopps auf Twitter mit: „Nur für diesen Kerl möchte ich Liverpool supporten. Was für ein Gentleman!“

Trotzdem haben die Menschen natürlich zurecht ein Interesse daran, zu erfahren, wann es mit ihrem Sport weitergeht. Denn es handelt sich meistens nicht bloß um eine Sportart, sondern gleichzeitig um ein gesellschaftliches Event. Entweder live vor Ort, zuhause vor dem Fernseher oder digital im Netz, wo sich über die neuesten Ergebnisse und Entwicklungen ausgetauscht wird. Eben jene Gemeinschaft lässt wohl Kommentare wie den obigen entstehen. Dabei ist genau jetzt gemeinschaftliche Solidarität gefragt, nämlich mit den Mitmenschen auf der Welt. Das ist auch der Grund, wieso viele Sportlerinnen und Sportler momentan in den eigenen vier Wänden trainieren anstatt auf dem Platz oder auf der Rennstrecke.

Dabei wartet die Netzwelt in diesen Zeiten des Nachrichtenstillstands – denn worüber soll man auch berichten? – auf irgendein Lebenszeichen aus dem Motorradrennsport. Wie geht es weiter? Jorge Viegas, Präsident der FIM (Fédération Internationale de Motocyclisme) gab zu der Frage am vorletzten Wochenende ein Interview.

„Ich bin kein Viruloge. Mir steht es nicht zu zu sagen, was in der Zukunft passieren kann und wird.“, betonte der 63-Jährige. „Ich stehe einem Sportverband vor, zu dem auch andere Aktivitäten wie Tourismus oder Mobilität gehören. Unser Ziel ist es, alle unsere Aktivitäten weiter durchführen zu können.“ Normalzustand bedeutet das freilich nicht. Kann es auch nicht, wenn man bedenkt, dass nach und nach immer mehr Events abgesagt werden. Heute traf es zum Beispiel die NW200.

Wenn es notwendig ist, werden wir dafür bis Januar 2021 gehen. Jorge Viegas, FIM

„Wir folgen der Richtung der Regierungen und der Welt Gesundheitsorgansation (WHO)“, erklärte Viegas weiter. „Wir sehen, dass die Ausbreitung der Krankheit gestoppt werden muss. Leider besteht momentan ein Zustand allgemeiner Panik. Die größte Gefahr ist die kollektive Hysterie.“ Auf die Frage, ob man in Erwägung ziehe, die Motorsport-Saison bis Weihnachten dauern zu lassen, fand der FIM-Präsident eine klare Antwort:

„Wenn es notwendig ist, ja. Wenn man sich vorstellt, dass viele Events noch gecancelled werden und wir wesentlich später mit dem Rennsport anfangen, werden wir so weit gehen wie es nötig ist, damit die Weltmeisterschaft ihrem Namen gerecht ist. Wenn es notwendig ist, werden wir dafür bis Januar 2021 gehen. Das ist kein Tabu für uns.“ Wie sich aber die Epidemie weiterentwickelt, steht noch in den Sternen. Entscheidend dafür ist der Verlauf der nächsten Wochen. Dass es sich um eine sehr dynamische Situation handelt, hatte vergangenen Freitag bereits Lothar Wieler vom Robert-Koch-Institut in einer Pressekonferenz betont. 

Neben der welt-gesundheitlichen Entwicklung hat die Corona-Krise allerdings auch wirtschaftliche Folgen. Im Rennsport heißt das, dass Verträge nicht eingehalten werden können und viele Menschen im Fahrerlager momentan ohne Arbeit sind. Zu den ökonomischen Schäden eröffnete Viegas den Blick auf das große Ganze: „Wir müssen uns über die globalen Konsequenzen Sorgen machen, wenn wir mal für einen Moment aus unserer kleinen Motorradwelt hinausschauen. Fabriken sind geschlossen, genau wie Schulen und die gesamte Wirtschaft wird langsamer. Es wird Konsequenzen geben, aber die sind noch schwer auszumalen.“

 

Text: Dominik Lack

Foto: Dominik Lack

 

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