SSP300: Exklusivinterview – Max Kappler über 2019, 2020 und die Corona-Zeit

Der Saisonauftakt der Supersport 300 Ende März fiel der Corona-Pandemie zum Opfer, genauso wie der Lauf in Assen. Max Kappler ist einer von drei deutschen Fahrern im Feld. Wir haben uns per Videokonferenz mit dem KTM-Piloten von Freudenberg Racing getroffen. Wie lief es im letzten Jahr? Was wären die Ziele 2020 gewesen? Wie sieht jetzt die Routine zuhause aus? Diese und mehrere Fragen beantwortete uns Kappler im Interview:

Max, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst. Schauen wir vielleicht erst einmal zurück auf die letzte Saison. Wie sieht Dein Rückblick 2019 aus?

Letztes Jahr war die Saison zweigeteilt. Am Anfang ging es mit Aragón sehr gut los, aber zwischendrin hatten wir den Hänger, speziell um Misano herum. Ab der zweiten Saisonhälfte ging es dann aber wieder bergauf mit Portimao und Magny-Cours. In Katar hatten wir dann aber leider wieder etwas Pech. Wenn man aber das letzte Rennen rausnimmt, hatten wir wirklich eine richtig starke zweite Saisonhälfte und das habe ich direkt mit in den Winter genommen.

Im Endeffekt hast Du mit Gesamtrang 18 dein bestes WM-Ergebnis geholt. Was war denn Dein Highlight der Saison?

Vom Erlebnis her war das definitiv Katar. Die ganze Situation, die Stadt, die Anreise und die ganze Organisation zu erleben war einmalig und unter Flutlichtbedingungen zu fahren war wirklich beeindruckend.

In Magny-Cours 2019 fuhr Kappler auf Startplatz neun (© Dominik Lack)

Und was war der schwierigste Moment in der Saison?

Ich denke Misano. Da bin ich über den Sturz von vor zwei Jahren nicht drüber weggekommen. Es kamen ein Paar Erinnerungen hoch und ich habe mich extrem schwer getan. Als ich dort in das Last Chance-Race musste, war das schon so etwas wie ein Negativ-Punkt der Saison. Zwar haben wir dort das Beste draus gemacht, aber das reguläre Rennen war dann doch eher zum wegschmeißen.

Wenn wir uns zurückerinnern, waren Deine Rundenzeiten im Rennen immer ganz gut, aber die Ergebnisse haben das manchmal nicht so widergespiegelt. Woran kann das gelegen haben? Hat es was mit der KTM zu tun, die im Zweikampf unterlegen war?

Nein, von der KTM her hat alles gepasst. Ich habe mir häufig ein besseres Ergebnis im Qualifying kaputt gemacht. Ganz gut hat man das in Aragón gesehen. Da war ich schon im Qualifying gut dabei und war im Rennen direkt in der Spitzengruppe. Da habe ich dann um Platz zwei oder teilweise Platz eins gekämpft. Ohne den rausgesprungenen Gang wäre es ein Top 5-Ergebnis geworden. In der restlichen Saison hatte ich dann meist Startplatz 20 oder höher und dann nach vorne zu kommen war extrem schwierig. Dort hinten hat man extreme Positionskämpfe. Selbst wenn man mal eine Runde lang schneller ist, ist es sehr schwierig, wenn dann schon eine Lücke nach vorn da ist.

Also ist für Dich ein Ziel dieses Jahr, bessere Qualifying-Ergebnisse einzufahren?

Ja genau. Das hatte ich mir im letzten Jahr schon vorgenommen und es hat auch in Aragón und in Magny-Cours geklappt. Im Großen und Ganzen war das auch ein Hauptaugenmerk bei den Wintertests. Rausgehen und direkt eine gute Pace setzen. Das hat ziemlich gut funktioniert. Wenn denn irgendwann die Saison losgeht, sind wir da ganz gut aufgestellt.

Wie liefen die Testfahrten insgesamt?

Das komplette Team war drei Tage in Almería und drei Tage in Portimao. Ich musste aber in Almeria frühzeitig abreisen, weil ich noch eine Prüfung hatte, deshalb fehlte mir ein Tag. Außerdem war der Wind ein Problem und der erste Tag war quasi vom Winde verweht. Aber in der Zeit, in der ich auf dem Bike saß, hatte ich ein ziemlich gutes Gefühl und das Team war auch sehr zufrieden. Wir haben richtig gut gearbeitet. Mein Mechaniker Christian hat direkt ein super Fahrwerk zusammengebaut und wir haben uns viel zusammengesetzt und an Details getüftelt. Nach dem ersten Tag in Almeria und dem ersten Tag in Portimao war ein gutes Grundsetup da, das immer besser wurde.

(© Kappler Racing)

Ist es denn schwieriger, auf einer Strecke wie Almeria rauszugehen und sofort schnell zu sein, als auf einer, die Ihr eh fest im Kalender habt?

Naja, man muss sagen, dass Almeria so eine typische Teststrecke. Da war ich vor zig Jahren mit der Moto3 testen und auch letztes Jahr waren wir zum Test in Almeria. Von daher kenne ich die Strecke trotzdem, auch wenn man da nicht so häufig ist, wie auf anderen Strecken. 

Habt Ihr irgendwelche neuen Teile testen können oder was waren Details, an denen Ihr gewerkelt habt?

Dieses Jahr hat sich mit der neuen ECU einiges geändert, auch von den Einstellmöglichkeiten her. Die kam ja in der letzten Saison schon, aber da hatten wir als Team gesagt, dass wir erstmal viel mehr Testkilometer bräuchten, weil es so viele neue Dinge zu beachten gibt. Damit muss man sich einfach erstmal selbst befassen und dann extrem viel probieren, damit man schneller wird. Deshalb hatten wir gesagt, wir probieren das über den Winter und gehen die ECU 2020 richtig an. Es gab zwar Teams, die das im letzten Jahr schon ausprobiert haben, aber viele haben das gleiche gesagt wie wir. 

Wir haben zum Beispiel mal mehr Motorbremse oder weniger ausprobiert. Die KTM ist ja von Natur aus eher steif im Vergleich zu den anderen Bikes. Deshalb hat Micha (Freudenberg) beim Grundfahrwerk  über den Winter viel nachgedacht und auch Carsten (Freudenberg) hat viel überlegt, was man noch machen kann.  Wir arbeiten ja jetzt schon ziemlich lange zusammen und sie wissen, was mir so gefällt. Von daher waren wir ziemlich schnell auf einem grünen Zweig.

In der Szene wird über einige Hersteller gesprochen, dass sie wegen der Schließungen in der Corona-Zeit ihr Rennsport-Engagement kürzen. Könnte das Euch mit KTM auch betreffen?

Wir sind zwar ein unterstütztes Team, aber wir haben keinen besonderen Werksstatus, also bei uns ist kein KTM-Techniker vor Ort. Wir sind quasi ein Privatteam. Das Team hat genug Ersatzteile und die Dinge, die man tagtäglich benötigt. Meiner Kenntnis nach gibt es diesbezüglich überhaupt keine Schwierigkeiten wenn denn die Saison mal losgehen sollte. 

„Wer ihn kennt, weiß, dass Micha bis nachts um 0 Uhr noch tüftelt!“

Jetzt haben ja momentan alle den Leerlauf und für Euch ist das noch extremer, weil der Saisonstart ohnehin viel später gewesen wäre. Kann das Team denn die Zeit mit irgendwelchen Arbeiten am Motorrad trotzdem nutzen?

Gut, wir haben eigentlich über den Winter schon extrem viel ausgearbeitet. Im Anschluss an die Tests hat das Team alle Daten ausgewertet. Klar, wird speziell Micha jetzt immer noch weitertüfteln. Wer ihn kennt, weiß, dass Micha bis nachts um 0 Uhr noch tüftelt! Insgesamt ist es aber doch begrenzt, was man noch machen kann. 

Christian Stange und Olvier König sind die Neuzugägnge bei Freudenberg. Stange kennt Kappler gut! (© Team Freudenberg)

Bei den Tests bist Du erstmals mit Christian Stange im Team unterwegs gewesen. Wie kommt Ihr zurecht?

Mit Chris verbindet mich die längste Rennfahrerfreundschaft, die ich habe. Wir waren schon mit 5 oder 6 Jahren gemeinsam beim Ostertraining in Italien und haben da Blödsinn gemacht. Von daher kann man sagen, dass wir richtig gute Freunde sind. Wir fanden es jetzt beide lustig, dass wir nach so vielen Jahren auf so einem Wege wieder getroffen haben. Wir verstehen uns gut und ergänzen uns. Nach den Tests haben wir uns zusammengesetzt und haben überlegt, was man besser machen kann. Teilweise haben wir auch auf der Rennstrecke die Linien vom Anderen abgeschaut. Er ist ein richtig guter Teamkollege und ich denke, dass wir uns die Saison über gut unterstützen werden.

Chris kommt aus der 600er Klasse, wie schafft er den Umstieg auf die 300er?

Er sagte, dass es ziemlich schwierig ist. Er hat ja mit der 600er schon ziemlich spät gebremst und weil er von da ganz andere Geschwindigkeiten gewöhnt ist, bremst er immer noch sehr spät. Manchmal ist er zu spät, aber man kann sich ja adaptieren und quasi die Mitte finden. Die Linienwahl haben wir beide schon gut drauf und es geht eher um Nuancen, um die mal der eine, mal der andere besser ist. 

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