Garrett Gerloff erlebte nicht den Abschluss des Rennwochenendes, den er sich erhofft hatte. Im zweiten Superbike-Lauf von Estoril räumte er Michael Rinaldi (Ducati) ab.

Gerloffs Start in den Rennsonntag war solide. Platz vier konnte er im Superpole-Race erkämpfen. „Unser Sonntag hat wirklich gut begonnen. Wir haben über Nacht weitere Verbesserungen am Bike gemacht und im Warm Up hat sich alles gut angefühlt.“, fasste er zusammen.

Michael Rinaldi wurde um ein aussichtsreiches Ergebnis gebracht (© Ducati Media House)

Dann jedoch kam das zweite Rennen. „In Lauf 2 hatte ich einen großartigen Start und habe versucht, erstmal ins Rennen reinzukommen und ruhig zu bleiben.“ Gerloff etablierte sich – wie schon in Aragón – in der Spitzengruppe. Dann allerdings unterlief ihm in Kurve 6, dem Ort, an dem Nicky Hayden 2006 durch einen Abräumer von Dani Pedrosa beinahe den MotoGP-WM-Titel verloren hätte, ein schwerwiegender Fehler.

„In Turn 6 ist mir aber etwas merkwürdiges passiert. Ich habe etwas früher gebremst als sonst, um den Reifen zu schonen, aber vom Bike hat es einen Schlag gegeben als das Hinterrad wieder den Boden berührte. Der war so heftig, dass ich die Kontrolle verlor. Ich habe alles versucht, um abzubremsen und geradeaus zu gehen, aber leider habe ich einen anderen Fahrer berührt und wir sind gestürzt.“ Der andere Fahrer war Ducati-Werkspilot Michael Ruben Rinaldi, der in den ersten Runden des Rennen zum ersten Mal diese Saison ein Licht am Ende des Tunnels gesehen hatte.

„Wenn man das Level unserer Meisterschaft bedenkt, war das schon ein sehr schwerer Fehler.“, meinte Rinaldi im Anschluss an das verlorene Rennen. Für Gerloff ist es nicht das erste Mal, dass er andere Fahrer mit ins Verderben reißt. In Aragón hätte er um Haaresbreite Weltmeister Jonathan Rea vom Motorrad geholt. Wo man im letzten Jahr noch von Unerfahrenheit und Welpenschutz sprechen konnte – es war Gerloffs Rookie-Saison – sollte man bei dem Yamaha-Piloten in diesem Jahr mehr Gelassenheit und Rücksicht auf die Gegner erwarten können.

Sicher, Gerloff zeigte sich als Sportsmann und entschuldigte sich bei den Piloten, die unter seinen Fehlern zu leiden hatten. Letztendlich wird er jedoch lernen müssen, sein unbestreitbares Rennsport-Temperament vor allem in der Frühphase der Rennen etwas zu zügeln. Insofern kann die Entscheidung der Race Direction, ihn im ersten Lauf von Misano aus der Box starten zu lassen, mehr als erzieherische Maßnahme denn als Bestrafung für den Rinaldi-Crash betrachtet werden.

Gerloff selbst blickt nach vorn: „Ich bin froh, dass wir beide okay sind. Jetzt werden wir versuchen, den Crash hinter uns zu lassen und uns auf die nächste Runde in Misano zu fokussieren, eine Strecke, die ich sehr mag.“

 

Text: Dominik Lack

Foto: GRT Yamaha

 

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