Die Superbike-WM gastiert in Donington Park. Das Wochenende in den East Midlands ist jedes Jahr etwas besonderes, schließlich fand hier die Weltmeisterschaft ihren Ursprung. Wir möchten Euch einmal unsere Sicht auf die Rennstrecke schildern, auf der auch wir schon mehrere Male als Medienvertreter zu Gast waren. Dominik erzählt:

Wir betreten ein altes, aber nett renoviertes Bauernhaus. Die Decken sind niedrig, mit 1,86 Körpergröße müssen wir wohl die ein oder andere verlorene Gehirnzelle an diesem Wochenende in Kauf nehmen. Sebastian kennt sich hier schon aus und lotst uns durch die rustikal, aber gemütlich eingerichteten Räumlichkeiten des Farmhouses inklusive schicken Sitzpölsterchen und bemalten Tee-Tassen. Park Farmhouse heißt unser Domizil für das Wochenende. Britischer Charme wie aus dem Bilderbuch. Menschenleer ist es hier gegen 15 Uhr noch, aber umso freundlicher begrüßt man uns an der Rezeption. Schlafen werden wir aber nicht hier , sondern auf dem dazugehörigen Campingplatz des Hauses. „So muss man das hier einfach machen“, hatte Sebastian im Vorfeld gesagt…und er hat Recht!

Nirgends lässt es sich so beschaulich an einer Rennstrecke zelten wie hier.

Papa Lowes´ Camping-Geschichten

Wir schlagen recht einsam unser Zelt auf. Nur ein Paar Dauercamper sind schon da, lassen sich aber nicht blicken, genauso wie das typisch britische Wetter. Die Sonne brät uns auf den Pelz und laut Wetterbericht soll es so auch bleiben. Ich trete aus dem Zelt und muss die Augen zusammenkneifen. Es ist ein beschaulicher kleiner Platz. Ich frage mich, wie das hier wohl zu MotoGP-Zeiten ausgesehen hat. Auf alle Fälle war es bestimmt brechend voll.

An diesem Superbike-Rennwochenende wird es überschaubar. Eine handvoll Zelte werden aufgeschlagen und noch etwa doppelt so viele Wohnmobile fahren auf das Gelände. Unter ihnen: Papa Lowes, der seine Söhne Sam und Alex schon immer von hier aus anfeuert. Alex Lowes fährt zu dieser Zeit noch in Werksyamaha-Farben. Die Geschichten seines Vaters unterhalten die Mit-Campenden noch bis spät in die Nacht, entweder in geselliger Runde im Freien oder im Farmhouse-Pub, wo es übrigens auch ziemlich gute Burger gibt.

Hier schaut man von einer Picknickwiese auf die Rennstrecke.

Donington Park. Das bedeutet Tradition an jeder Ecke. Rennsport wird hier einfach anders gelebt: Viehzäune aus Holz säumen den Zuschauerbereich, Picknicktische stehen im Infield und laden zu einem Familienausflug ein. Man genießt den Sport in einer einladenden Teetrink-Atmosphäre im Grünen. Und: Die Menschen sind entspannt. Leidenschaftlich, aber entspannt. Als Fotograf habe ich mich an der Rennstrecke nie so willkommen gefühlt, wie hier. Man grüßt nicht nur freundlich, sondern zeigt auch Interesse und Hilfsbereitschaft, sowohl als Streckenposten, als auch als Fan. Da kommt es schon mal vor, dass man sich durch Zaun durch mit Zuschauenden angeregt über Kameratechnik austauscht. Natürlich mit feinstem britischen Dialekt, zumindest auf der Gegenseite.

Als wäre die Zeit stehen geblieben

Auch im Fahrerlager merkt man diese besondere Stimmung. Wenn auch bei genauerem Hinsehen das Boxengebäude und auch einige andere Häuschen etwas in die Jahre gekommen scheinen, macht gerade das diese Strecke so lebendig und authentisch. Ganz so, als sei es erst einen Monat her , dass Davide Tardozzi im April 1988 das erste WorldSBK-Rennen der Geschichte gewann…oder, dass Valentino Rossi (2000) seinen ersten Sieg in der Königsklasse (500ccm) feierte. Es ist dieses Stehengeblieben sein der Zeit, das man hier überall spürt.

Sogar beim Pre-Event wurde Tee serviert.

Wie anders die Uhren in Donington ticken, merken Sebastian und ich auch am Rennsonntag. Wo man normalerweise um 06:30 aufsteht, um rechtzeitig zum Warm Up an der Strecke zu sein, reicht hier 07:30, denn: Vom Zelt aus gehen wir nur über die Wiese, durch ein kleines verstecktes Gartentor und stehen bereits vor den Toren der Rennstrecke. Es ist sogar noch Zeit für ein englisches Frühstück im Paddock-Restaurant, was 2018 umgebaut wurde und sehr zu empfehlen ist. Im Pressezentrum trinkt man – wie kann es auch anders sein – English Breakfast Tea. Kaffee gibt es nur in der Instant-Variante. Aber das lässt sich verkraften.

Alles in allem würde ich allen Fans, deren Herz für die Superbike-WM schlägt, empfehlen, einmal die Reise in die Nähe von Nottingham anzutreten. Donington Park ist eine großartige Rennstrecke, auf der die WorldSBK einfach zu einem wunderbaren Erlebnis wird. Dieses Jahr wird das zwar leider aufgrund der Corona-Bestimmungen nichts, aber es kommen bessere Tage. Für dieses Jahr schauen wir aus der Ferne zu.

Übrigens:

Wie besonders die erwähnte Hilfsbereitschaft der Menschen an der Strecke ist, bekommen Sebastian und ich am Abend des Rennsonntags zu spüren: Nach einem erlebnisreichen Arbeitstag wollen wir den Abend vor der frühmorgendlichen Heimreise eigentlich entspannen. Doch wir finden unser Zelt offen und durchwühlt vor! Was war passiert? Benachbarte Camper, die wir wegen unterschiedlicher Aufstehzeiten noch nicht gesehen haben, haben sich nach eigener Aussage Sorgen gemacht. Es hätte uns etwas passiert sein können. Deswegen hätten sie nach Hinweisen auf unsere Identität gesucht, um uns zu kontaktieren. „Brits are caring“, könnte man sagen. Geklaut wurde übrigens tatsächlich nichts.

Text: Dominik Lack

Fotos: Dominik Lack, Sebastian Lack

 

Eine Meinung zu “Kolumne: Warum man einmal in Donington gewesen sein muss

  1. Naja, sicher hat sich seit 1988 einiges geändert, aber beim 1.Rennen dabei gewesen zu sein nimmt mir niemand, in der Box mit Marco Lucchinelli geredet, der damals auf Ducati fuhr, gesehen, wie jemand beim Start das Heck von Tardozzis Bimota wegfuhr und Davide trotzdem das Rennen gewann… halt alles vom Anfang an miterlebt.

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