Für Scott Redding beginnt nun ein wichtiger Teil der Saison. Nach einem achterbahnartigen Start ist der Brite nun auf der Suche nach konstantem Erfolg. Wir haben mit dem 28-Jährigen am Donnerstag vor der #CZEWorldSBK gesprochen.

Scott, du kommst als WM-Dritter nach Most. Wie fasst du den ersten Teil der Saison zusammen?

„Es lief nicht so wie gehofft. Ich hatte gehofft, näher an der Spitze zu sein und um den WM. Wir hatten aber auch ein wenig Pech und zwei Nuller. Da haben wir einige Punkte verloren. Es gibt auf der anderen Seite in der WorldSBK aber auch viele WM-Zähler zu vergeben. Das heißt, dass man auch viele Punkte gutmachen kann, wenn mal ein Fahrer ein schlechtes Wochenende hat. Es ist also noch viel drin.“

Wie hat sich denn die Situation im WM-Kampf geändert, jetzt, wo Toprak (Razgatlioglu) auch konstant an der Spitze kämpft?

„Toprak geht eher nicht in die Meisterschaft um den Titel zu holen, sondern um Rennen zu gewinnen. Dadurch hat er weniger Druck. Wenn man die WM anführt oder nah dran ist und das Potenzial dazu hat, ändert sich das ganze. Wenn man als Dritter daherkommt, hat man nichts zu verlieren und konzentriert sich nur auf die Jungs vorne. Ehrlich gesagt ist es schön, noch jemanden mit vorn dabei zu haben, auch wenn ich dabei nur Dritter bin.“

Wie sieht es bei dir in Sachen Druck aus?

„Ich habe überhaupt keinen Druck, denn ich führe nicht in der Meisterschaft. Ich kann nur Rennen für Rennen denken und versuchen, so viele Punkte wie möglich zu holen. Der WM-Titel ist etwas ferner, aber ich kann mich darauf fokussieren.“

Was braucht es, damit du da ankommen kannst, wo du gerne möchtest?

„Ich brauche von meinem Bike ein wenig mehr Konstanz. Eigentlich fühle ich, dass ich dieses Jahr sehr stark fahre. Psychologisch fühle ich mich stark. Lediglich bei meinem Paket fehlt etwas. An einem Wochenende funktioniert alles super, am nächsten habe ich Probleme, auf das Podium zu fahren. Das ist keine ideale Situation um eine Meisterschaft zu gewinnen. Aber es könnte auch schlechter sein. Immerhin habe ich ein Motorrad, mit dem – wenn es funktioniert – Rennen gewinnen kann. Das muss ich immer im Hinterkopf behalten.“

Die Ducati sorgte bei Scott Redding dieses Jahr für eine Achterbahn der Gefühle (Foto: Dominik Lack)

Du sprichst deine mentale Stärke an. Wie schaffst du es, deine Motivation bei so vielen Aufs und Abs immer wieder aufzubringen?

„Jeder hat mal einen Scheißtag und jeder kommt darüber hinweg. Ich hatte viele harte Zeiten. Noch härtere Zeiten als nur ein Paar schlechte Rennen, bei denen ich trotzdem noch in den Top 5 ankomme. Größere Sorgen habe ich nun nicht mehr. Es ist wie es ist. Wenn es gut läuft, ist das toll. Wenn es schlecht läuft: Vergiss es. Diese Einstellung habe ich mit der Zeit entwickelt und sie hat mir geholfen. Das Feuer zu siegen trage ich aber in mir und es ist sehr groß. Manchmal ist das auch schwierig, aber dieses Jahr schaffe ich es, das Feuer mehr zu kontrollieren.“

In welchen Bereichen muss denn noch an deiner Panigale V4R gefeilt werden?

„Grip ist das, was uns am meisten fehlt. Auf der Bremse bin ich sehr gut genauso wie das Herausbeschleunigen aus den Kurven. Wenn wir aber länger in Schräglage sind, bekommen wir etwas Probleme. Wir haben nicht mehr den Topspeed-Vorteil, den Ducati noch vor ein Paar Jahren hatte. Nun müssen wir mehr auf Beweglichkeit und Handling setzen. Daran zu arbeiten, braucht Zeit, denn es kann andere Aspekte des Bikes beeinflussen.“

Wie würdest du dein Bike in Most einschätzen?

„Ich möchte nicht zu weit blicken. Wir sind nach Donington gekommen, wo ich eine gute Statistik hatte und ich hatte auf Siege und Podien gehofft. Rausgekommen ist ein f****** Desaster. Dann ging es nach Assen und mit exakt dem gleichen Setup konnte ich um das Podium kämpfen. Da hatten wir das Bike so, wie es sein sollte und damit könnten wir Rennen gewinnen. Ich gehe also in das FP1 rein und wenn ich da denke f***, dann haben wir Arbeit vor uns.“

In den Medien war im Vorfeld zu lesen, dass du Bedenken gegenüber der Rennstrecke Most hast. Kannst du sie noch einmal zusammenfassen?

„Ein Asphalt ist brandneu, der andere hat einige Jahre auf dem Buckel. Dass es zwei verschiedene Asphalts gibt, stört mich aber nicht so sehr. Das bringt der Strecke Charakter und ich mag es sehr. Die Strecke ist recht schwer zu lernen. Es gibt Kurven, die wir nicht gewöhnt sind, zum Beispiel die Kurven 1 – 9. Das sind sehr technische Abschnitte. Mir macht das Spaß. Ich habe nur ein Problem mit der Sicherheit. Es ist einfach kein Weltniveau, nicht mal nationales Niveau, denn auch die nationalen Meisterschaften sind an manchen Stellen sehr schnell unterwegs. In einer Zeit, in der wir wissen, was sicherheitstechnisch gut ist, sollten wir meiner Meinung nach nichts riskieren. Klar ist es das erste Mal hier und vielleicht gibt es für nächstes Jahr substanzielle Verbesserungen. Ich hoffe aber einfach, dass wir alle ein sicheres Wochenende haben. Wir sind alle Menschen, riskieren viel und brauchen Hilfe dabei. Ein Airfence hilft mir nicht bei 120mp/h, wenn ich mit einem Bike von knapp unter 200kg stürze.“

Viel Auslaufzone bietet dieser schnelle Linksknick nicht (Foto: Dominik Lack)

Glaubst du, dass ihr als Fahrer bei Sicherheitsfragen in der WorldSBK noch mehr involviert werden solltet?

„Es gibt ja schon Fahrer, die da mitwirken. Auch gibt es Leute, die die Strecke inspizieren. Sie schauen sich den Kurs an, bevor sie einen fünf-Jahres-Deal unterzeichnen. Gut, vielleicht ist es ein wenig respektlos, die Strecke nur zu begehen. Wäre ihre Entscheidung anders, wenn sie selbst mit einem Motorrad auf der Strecke Rennen fahren würden? Ich weiß, dass alles mit der COVID-Situation nicht einfach ist. Aber es gibt doch auch Brünn. Diese Strecke wäre Last-Minute auf jeden Fall sicherer. In einem Jahr oder weiter in der Zukunft wäre es hier okay, aber Sicherheit sollte einfach Priorität haben.“

 

Text: Dominik Lack

Foto (Titel): Sebastian Lack

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