„Einatmen…ausatmen…einatmen…ausatmen, kurz überlegen ob man sich beim Nachbarn entschuldigen muss, dass man gerade etwas lauter gewesen ist beim Mitfiebern und Haare raufen? Nein, alles gut! Und auch das letzte lichte Haar ist auch noch dran geblieben. Perfekt!“
Was für ein fantastisches Rennen zeigte heute der deutsche Lennox Lehmann denn da bitte bei seinem ersten Auftritt der Saison in der Supersport300 WM?!

In der Superpole am Vormittag musste der 16-jährige Dresdner noch einen Sturz hinnehmen, der eine größere Zeitenjagd zunichte machte. Dadurch ging es für den KTM Piloten nur von Startplatz 25 aus ins Rennen. Lehmann erwischte aber einen guten Start und lag schon nach der ersten Runde mit Platz 14 stramm auf Punktekurs. Von Runde 2 bis 5 an wurde er schießlich schon auf Platz 9 gesichtet und war in Runde 5 mit einer Zeit von 2:06,593sec sogar der schnellste Fahrer auf der Strecke im spanischen Aragón!
Anschließend musste sich Lehmann Runde für Runde neu durchsetzen und es entstand mittlerweile ein 10-Kampf um den letzten verbliebenen Podiumsplatz. Vorne an der Spitze zogen derweilen Marc Garcia (Yamaha) und Alvaro Diaz (Yamaha) einsam ihre Runden und waren schier uneinholbar.

Im Kampf um Platz 3 ging es aber die letzten Runden in die heiße Phase und der Freudenberg KTM Pilot schnupperte zwischenzeitlich schon mal Podiumsluft, musste aber aufgrund eines kleinen Rutschers wieder 2-3 Fahrer vorbeiziehen lassen. In der letzten Runde platzierte sich Lehmann auf Rang 4 hinter Victor Steemann (Kawasaki) und die Fahrer dahinter beharkten sich so, dass sie Ausgangs der Corkscrew einen kleinen Rückstand zu Lehmann hatten. Nun kam die Gerade vor der lang gezogenen Links zu Start/Ziel.
Der Puls beim Zuschauen stieg merkbar weiter an, beide Hände rauften sich durchs Haar, ich stand vor dem Monitor und rief nur „das müsste reichen!“ (dieser Satz war mir irgendwie von Jürgen Fuchs bei Eurosport im Gedächtnis hängen geblieben, als Sete Gibernau nach dem Tod von Daijiro Katoh sich gegen Valentino Rossi in Welkom durchsetzte!) und dann…der Sieger…natürlich zeigte man den Sieger und wie Marc Garcia als Superman über die Ziellinie fuhr, Ehre wem Ehre gebührt, aber was war nun mit Lennox Lehmann???
Die Runden vorher sah es so aus, als wenn die KTM gut ging auf der Geraden…und tatsächlich! Nachdem Alvaro Diaz auch noch seinen zweiten Platz auf dem Zielstrich feierte, tauchte im Hintergrund Lennox Lehmann als Führender der Gruppe auf! Lehmann hatte es irgendwie geschafft an Steeman vorbeizukommen und feierte somit seinen ersten Podestplatz nach einer wirklich hart umkämpften Aufholjagd. CHAPEAU!

Im Parc Ferme und auf dem Podium sah man den Deutschen auch sichtlich gerührt und er meinte zu dem Rennen nur kurz und knapp. „Das war ein verrücktes Rennen, denn ich bin nur von Position 25 gestartet und hatte in der Superpole Probleme und bin gestürzt. Das ware einfach ein verrücktes Rennen!“

Text: Sebastian Lack

Fotos: Worldsbk.com

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