Der Grand Prix Circuit Phillip Island gilt als eine der anspruchsvollsten und schönsten Rennstrecken im Kalender. WorldSSP-Pilot Philipp Öttl (Feel Racing Ducati) erklärt uns exklusiv, worauf es bei der 4,445 Kilometer langen Strecke ankommt.

WorldSSP: Philipp Öttl „Slide-Management kommt vom Fahrer“

Schon beim Test Anfang dieser Woche wurde deutlich, wie stark der Wind die Bedingungen auf der Strecke beeinflusst. Öttl berichtet: „Der Wind ist extrem wichtig auf der Strecke. Das wirkt sich in Kurve eins und vier extrem auf den Bremspunkt aus.“ Gerade bei wechselnden Windrichtungen müsse sich der Fahrer permanent anpassen, erklärt der Bayer weiter.

„Jede Kurve ist relativ stark überhöht und du musst relativ sanft fahren. Durchzupushen funktioniert nicht so gut.“ Im Southern Loop (Kurve 2) sei vor allem Geduld gefragt: „Du bist lange in Schräglage, musst relativ lange warten, bis du wieder ans Gas kannst und den zweiten Scheitelpunkt sauber erwischst, um den Schwung mitzunehmen.“

Die berühmte Stoner-Corner ist für Öttl ein Highlight der Strecke: „Die Supersport fährt hier fast Vollgas, mit dem Superbike hast du sehr viel Slides. Trotzdem musst du ja schauen, dass du dir den Reifen aufsparst.“

Kurve vier, Miller Corner,  bietet viele Linien und eine gute Überholmöglichkeit: „Du kannst hier eng bleiben und verschiedene Varianten fahren.“ Ab Kurve sechs (Siberia) geht es quasi nur bergauf Richtung Lukey Heights – ein weiterer Abschnitt, bei dem Windschatten und der perfekte Exit entscheidend sind.

Auch in der letzten Kurve ist laut Philipp Öttl das Slide-Management entscheidend. (© Dominik Lack)

Öttl: „Man muss viel selbst managen“

Lukey Heights (Kurve 9) beschreibt Öttl erneut als besonders windanfällig. „Du fährst auf den Berg hoch und fällst quasi in Kurve 10 runter. Oben ist eigentlich ein guter Bremspunkt, aber du musst gucken, dass du gerade bist.“. Auch Kurve 10 verlange wieder Geduld und präzises Gasgeben.

Die entscheidenden letzten Kurven (11 und 12) verlangen noch einmal höchste Konzentration: „Es ist hier wichtig, dass du möglichst spitz rausbeschleunigst. Ausgangs Kurve zwölf gibt es eine starke Welle und man sieht viel Bewegung in den Bikes. Wer die Kurve gut nimmt, hat in der Regel hier wenig Bewegung drin.“

Ein weiteres markantes Merkmal des Phillip Island Circuit sei laut Öttl der Faktor Mensch. Die Traktionskontrolle helfe zwar, einen Highsider zu verhindern, schütze aber nicht vor zu viel Wheelspin. „Auf dieser Strecke ist das Slide-Management viel in der Fahrerhand. Es ist an manchen Stellen also auch wichtig, dass du eben nicht Vollgas fährst, obwohl du es theoretisch könntest. Man muss also viel selbst managen und das geht mit der Ducati am besten.“

Text: Dominik Lack

Fotos: Dominik Lack

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