Nicolo Bulega dominiert die WorldSBK. Beim Saisonauftakt auf Phillip Island demoralisierte der 26-Jährige Ducati-Pilot die Konkurrenz und war in fast jeder Session unschlagbar. Wir haben uns mit dem WM-Leader zusammengesetzt, um zu erfahren, wie „Bulegas“ tickt.
WorldSBK: Nicolò Bulega „froh, die Referenz zu sein“
Die Ehe zwischen Bulega und Ducati hat mittlerweile fast Tradition: Es ist Bulegas fünfte Saison mit der Marke aus Bologna. „Ich denke, jetzt bei Ducati zu sein, ist etwas Besonderes“, so Bulega. „Es ist eine große Gruppe, die in jeder Kategorie perfekt arbeitet, zum Beispiel in der WorldSBK, in nationalen Meisterschaften und besonders MotoGP. Sie arbeiten fantastisch.“
Die Statistik gibt ihm Recht: Seit 2020 war Ducati jedes Jahr Konstrukteursweltmeister in der MotoGP, in der WorldSBK holte man den Titel zuletzt viermal in Folge. In der WM liegen momentan sieben Ducati-Fahrer in den Top 10.

„Unter den Ducati-Fahrern den Unterschied zu machen, ist mir sehr wichtig.“
Buelga selbst durfte bis dato 39 Siege mit Ducati (in der WorldSSP und WorldSBK) feiern. Ein besonderer Moment: Sein Debüt-Sieg gleich beim ersten Superbike-Lauf seiner Karriere 2024 in Australien. „Ich habe meine WorldSBK-Karriere mit einer guten Einstellung begonnen, weil ich im Jahr davor den Supersport-Titel gewonnen hatte. Ich kam ins Team mit dem Anspruch, 100% zu geben, weil ich wusste, dass ich mit dem besten Bike und dem besten Team antreten würde. Alvaro als Teamkollege war ein zusätzlicher Ansporn. Das bedeutet viel für die eigene Mentalität.“
Im WorldSBK-Fahrerlager ist man sich einig: Die Ducati Panigale V4R ist derzeit das stärkste Gesamtpaket. Dennoch kann Bulega aus dem Motorrad noch mehr herauskitzeln als die Konkurrenz. Er ist das Maß der Dinge. „Ich versuche, unter allen Ducati-Fahrern den Unterschied zu machen. Das ist für mich sehr wichtig. Ich bin wirklich glücklich, jetzt die Referenz zu sein!“
Besagter Unterschied zeigt sich auf der Strecke: 4,77 Sekunden lagen in Lauf eins auf Phillip Island zwischen Bulega und dem zweitschnellsten Ducati-Fahrer Yari Montella. Im verregneten zweiten Lauf waren es fast 18 Sekunden zu Alvaro Bautista (P3). Soll heißen: Die Chemie scheint perfekt zu stimmen. „Man muss die Ducati auf jeden Fall geschmeidig fahren. Und ich habe Glück, weil mein Fahrstil so ist. Er passt perfekt zum Motorrad. Ich muss mich nicht zwingen, viel zu ändern und kann einfach natürlich fahren. Und wenn ich ein gutes Gefühl habe, kommen gute Ergebnisse“, erklärt Nicolò Bulega.
Nicolò Bulega: „Talent allein reicht nicht aus.“
Dabei gab es auch in der Karriere des Nicolò Bulega Tiefpunkte. Nach dem Junior-Weltmeistertitel stieg er 2016 Vollzeit in die Moto3-WM ein. Dort blieb er unter den Erwartungen. Was würde Bulega seinem Ich von damals heute sagen?
„Ich würde sagen: Talent allein reicht nicht aus. Du musst an allem arbeiten und immer 100% geben. Das betrifft nicht nur den Rennsport, sondern alles im Leben. Und wenn manchmal die Ergebnisse nicht kommen, glaube immer an dich selbst und arbeite härter.“
Nach drei mageren Moto3-Saisons (zwei Podestplätze) und drei erfolglosen Jahren in der Moto2 befand sich Bulegas Karriere in einer Sackgasse. Doch aus dem Tiefpunkt der Perspektivlosigkeit kämpfte sich der damals 22-Jährige heraus.
„Manchmal kann es passieren, dass es in unserer Karriere Momente gibt, in denen man am Boden ist und keine Perspektive sieht. Das Wichtigste ist, immer an sich selbst zu glauben.“
Bulegas Chance 2022 war der Wechsel in die Supersport-WM. „Vielleicht muss man manchmal auch zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein. Vielleicht hast du Talent, aber wenn du nicht die Möglichkeit hast zu zeigen, dass du es hast, ist es schwierig.“

Ähnliche Neuanfänge gab es in der Vergangenheit immer wieder. Max Biaggi kam nach seinem MotoGP-Aus 2005 und einer Saison ohne Vertrag in die WorldSBK und erstrahlte zu neuem Glanz. Carlos Checa tat es ihm kurze Zeit später gleich. Auch jüngeren Fahrer wie Philipp Öttl oder WorldSSP-Champion Stefano Manzi tat der Wechsel zu einem konkurrenzfähigen Bike in der WorldSSP gut.
„Ich denke, Marc Marquez ist das beste Beispiel. Er ist ein unglaublicher Champion und hatte das Glück, alles zu gewinnen. Er war sehr jung. Dann aber kam ein Moment, in dem er immer zwar noch der gleiche Mensch war, aber es war für ihn unmöglich zu gewinnen. Selbst ein Podium war dann ein schönes Ergebnis für ihn“, erklärt Bulega. „Trotzdem glaubte er weiterhin, dass er in diesem Moment der Beste war. Und als er wieder die Möglichkeit hatte zu zeigen, wer er wirklich ist, fing er wieder an zu gewinnen.“
Die Krönung im Falle Marc Marquez war sicherlich der Gewinn seines neunten Weltmeistertitels 2025. Ob Bulega es dem Spanier gleich tun kann, bleibt abzuwarten. Zumindest lässt sich festhalten, dass sich das WorldSBK-Fahrerfeld sehr anstrengen muss, um „Bulegas“ in dieser Saison gefährlich zu werden.
Weiter geht es für die Superbike-WM auf dem Autódromo Internacional do Algarve vom 27.–29. März.
Text: Dominik Lack
Fotos: Dominik Lack

