Ausbau des British Talent-Cups – Dorna mit britischem Moto3-Monopol

Der 2018 ins Leben gerufene British Talent Cup (BTC) ist eine der großen Hoffnungen der britischen Nachwuchsförderung im Motorradrennsport. Für das nächste Jahr wird die Serie nun ausgebaut, wie Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta und Stuart Higgs, Direktor des Organisators MotorSport Vision Racing (MSVR) verkünden ließen.

Während dieses Jahr mit Silverstone (2x), Donington Park (2x), Snetterton und Brünn sechs Rennwochenenden im Kalender stehen, sollen ab 2020 zehn Wochenenden abgehalten werden. Gefahren wird dabei im Rahmen von neun BSB-Rennen sowie als Saison-Highlight beim MotoGP-Rennen von Silverstone.

Road to MotoGP? Bisher noch nicht wirklich

Der Namenszusatz „Road to MotoGP“ war für den Cup in der ersten Saison nur bedingt glaubwürdig. Der Gesamtsieger Rory Skinner beispielsweise fand sich am Ende ohne einen Startplatz für 2019 wieder. Nachdem für den jungen Briten die Gespräche mit Teams aus der Junior-WM geendet hatten, steht er nun zumindest als Rookie in der Supersport-BSB am Start (Platz 11 nach drei Rennwochenenden). 

Dabei ist sich Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta der Bedeutung der britischen FahrerInnen für den Rennsport bewusst: „Die britischen Inseln sind ein wichtiger Bestandteil der Vergangenheit und Zukunft unseres Sports. Es ist wichtig, dass junge, einheimische Talente einen Weg hinein in die Weltmeisterschaft haben.“ In der Vergangenheit kamen immer wieder schnelle Fahrer aus Großbritannien in die WM. Die WSBK etwa war vier Jahre lang fest in der Hand britischer Fahrer wie Jonathan Rea, Chaz Davies oder Tom Sykes. Auch in der MotoGP waren mit Cal Crutchlow, Bradley Smith oder Scott Redding schnelle Briten unterwegs.

MSVR-Chef Stuart Higgs und Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta (v. l.) © Dorna

Man muss jedoch auch festhalten, dass in der Vergangenheit die wenigsten dieser Fahrer aus einer Dorna-Förderung kamen (Ausnahmen sind Redding oder Smith, die zumindest im Rookies-Cup unterwegs waren). Vor allem diejenigen, die sich in der Superbike-WM bewährten, hatten meist den nationalen Werdegang beschritten. Dementsprechend schien es 2017 mit der Ankündigung eines britischen Talent-Cups so, als ob die Dorna nun endlich selbst das Heft in die Hand nehmen wolle. 

Was zeigt also ein gescheiterter internationaler Aufstieg wie der des Meisters Skinner? Hauptsächlich, dass das Konzept des Cups noch nicht zu Ende gedacht war und dass daran noch gefeilt werden muss. Ein Anfang ist die Vergabe internationaler Startplätze ab 2020: Als Gewinn des BTC locken eine Saison als Permanentstarter in der FIM Moto3™ Junior World Championship sowie zwei Plätze bei der Red Bull Rookies Cup-Selection. Anreiz genug für alle 12 – 17-Jährigen, sich zu bewerben. Aber: Für junge Fahrerinnen und Fahrer aus dem UK wird es ab 2020 ohnehin keine andere Möglichkeit geben, denn der Talent Cup wird die einzige Moto3-Meisterschaft in Großbritannien sein. Momentan gibt es noch eine BSB-Moto3-Klasse, in der nach zwei Saisonrennen der Amerikaner Brandon Paasch vorn liegt. Ab nächstem Jahr sichert sich die Dorna das Nachwuchsmonopol auf der Insel.

 

Mehr Aufmerksamkeit für britische Talente

Mit der Expansion des Rennkalenders ab 2020 will man dem British Talent Cup neben mehr Streckenzeit auch mehr TV-Zeit einräumen. Denn: Die Live-Berichterstattung der BSB ist bereits gut ausgebaut. So bietet beispielsweise Eurosport UK ein umfangreiches TV-Programm mit einem kompetenten Moderatoren-Team. Auch in Deutschland können die BSB-Rennwochenenden verfolgt werden, entweder im Eurosport-Player (internationaler Live-Stream) oder als Zusammenfassung auf Eurosport 2.

Auch die Dorna selbst möchte ihren Einfluss auf den Cup in Zukunft noch erhöhen. Zum Beispiel sollen die jungen FahrerInnen von der Media-Infrastruktur der Vermarktungsfirma profitieren, aber auch das Engagement während der Rennwochenenden soll mit einer umfangreicheren Betreuung durch Riding Coaches steigen. Hinzu kommt, dass man weiterhin versuchen möchte, Interessenten ein faires Preisangebot für die Honda NSF 250R-Einheitsmotorräder – das technische Reglement entspricht dem des European Talent Cups – zu ermöglichen. 

 

Text: Dominik Lack

Foto: British Talent Cup

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